BioNTech, AstraZeneca oder doch lieber gar nicht impfen?

Der Umstand, dass der Impfstoff der Fa. Biontech als Erstes auf dem Markt war und zu Recht Euphorie und Hoffnung ausgelöst hat und dass bei AstraZeneca zunächst die Einschränkung galt, dass der Impfstoff nur für Menschen unter 65J. zugelassen war,  führte dazu, dass dieser Impfstoff als schlechter wirksam und/oder gefährlicher wahrgenommen wurde. Die Zulassung war aber nur deshalb eingeschränkt, weil es anfangs schlicht noch nicht genug Daten über die Wirksamkeit bei Älteren gab. Das hat sich inzwischen geändert und der Astra-Impfstoff ist für alle Erwachsenen zugelassen.

Dann wurden erste Zahlen über die Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe veröffentlicht. Der Biontech-Impfstoff hat eine Wirksamkeit von 95 Prozent. 94 Prozent sind es beim Moderna-Vakzin, bei AstraZeneca sind es 70 bis 90% je nach Impfschema. Das bedeutet, ALLE genannten Impfstoffe wirken sehr, sehr gut – weit besser, als Forscher es zu Beginn der Pandemie überhaupt zu hoffen gewagt hatten und auch weit besser, als die meisten Impfstoffe gegen andere Erkrankungen das tun. Alle bisher zugelassenen und oben genannten Impfstoffe schützen zuverlässig vor einem Covid-19-bedingten Tod. Damit ist das wesentlichste Ziel der Covid-19-Impfstoffe erreicht.

 

Nach Beginn der Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff wurden im Vergleich zum Impfstoff der Fa. BioNTech mehr oder schwerere Nebenwirkungen gemeldet. Experten halten das größtenteils für einen Nocebo-Effekt. Das bedeutet, die Leute erwarteten mehr Nebenwirkungen und spürten sie dann auch. Die Nebenwirkungen wurden aus dem gleichen Grund auch subjektiv viel schlimmer empfungen, als das bei den gleichen Nebenwirkungen nach Biontech-Impfungen der Fall war. Sie wurden beispielsweise als "starke Nebenwirkungen" gemeldet, obwohl es sich nur um ein kurzes, mäßig hohes Fieber handelte, was bei allen COVID-19-Impfstoffen vorkommen kann und im Grunde ein Zeichen dafür ist, dass der Körper auf die Impfung reagiert und damit beginnt, Antikörper zu bilden.

 

Inzwischen sind nach Impfungen mit dem Impfstoff der Fa. AstraZeneca insbesondere bei Frauen unter 65J. thromboembolische Ereignisse (Thrombosen, Sinusvenenthrombosen) aufgetreten. Die Häufung der Fälle in Deutschland bei jüngeren Frauen könnte sich daraus ergeben haben, dass hierzulande, anders als in anderen Ländern, wegen der anfänglichen Altersbeschränkung des Astra-Zeneca-Impfstoffs vor allem jüngere Menschen und besonders viele Frauen (Erzieherinnen, Pflegeberufe) mit diesem Impfstoff geimpft wurden, welche ohnehin aus hormonellen Gründen vor allem bei gleichzeitiger Einnahme der Pille oder Rauchen ein erhöhtes Thromboserisiko haben.

Man geht aktuell davon aus, dass der Impfstoff in sehr seltenen Fällen einen Abwehrmechanismus des Körpers auslösen kann, bei dem die Blutplättchen aktiviert werden. Dies ist eigentlich ein ganz normaler Vorgang, wenn wir uns verletzen und er sorgt dafür, dass das Blut gerinnt, um die Wunde zu verschließen. Bei einem Teil der Betroffenen, die nach der Impfung eine Sinusvenenthrombose erlitten, lagen Vorerkrankungen vor, die das Blutgerinnungssystem betrafen. Einige der Betroffenen hatten zum Zeitpunkt der Impfung eine erniedrigte Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie).

Sinusvenenthrombosen treten normalerweise - also auch ohne vorangegangene Impfung - nach neuesten Schätzungen mit einer Häufigkeit von etwa 5-15 Neuerkrankungen pro 1 Million Einwohner pro Jahr auf. Andere Länder, wo insgesamt bereits deutlich mehr und auch bereits viele ältere Patienten mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff geimpft wurden, haben keine signifikante Häufung von Sinusvenenthrombosen nach der Impfung festgestellt.

 

Wegen dieser Meldungen über thromboembolische Ereignisse im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt das rki (Robert-Koch-Institut) zur Zeit, die Impfungen mit dieser Vakzine vorsorglich zunächst nur noch für Personen im Alter ab 60 Jahren vorzunehmen. Es handelt sich hier um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/AstraZeneca-Impfstoff-2021-03-30.html

 

Die Berichterstattung in den Medien führt bei vielen zu Ängsten, insbesondere dann, wenn nach der Impfung Nebenwirkungen auftreten. Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome zählen zu den häufigen Nebenwirkungen nach einer Covid-19-Impfung, ob mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca, von Biontech/Pfizer oder anderen Präparaten. Normale, ungefährliche Nebenwirkungen treten in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten auch nur kurz, selten länger als 1-2 Tage, an.

Leitsymptome einer Sinusvenenthrombose sind dagegen starke anhaltende Kopfschmerzen und andere neurologische Symptome. Wer sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlt, unter neuartigen, ungewöhnlich starken und anhaltenden Kopfschmerzen leidet, welche auf die üblichen, frei verkäuflichen Analgetika nicht oder nur unzureichend ansprechen oder wer zusätzliche neurologische Symptome wie Schwindel, Sehstörungen, halbseitige Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, epileptische Anfälle hat oder punktförmigen Hautblutungen (Petechien) bemerkt, sollte sich zeitnah ärztlich untersuchen lassen. Es gibt gezielte Behandlungsmöglichkeiten, allerdings kann der Wirkstoff nicht vorbeugend, also vor einer Impfung und vor einer etwaigen Entwicklung der Symptome, gegeben werden.

 

Auch wenn sich bestätigen sollte, dass die AstraZeneca-Impfung in speziellen Fällen die Entstehung der Hirnvenenthrombosen begünstigen kann, handelt es sich dennoch um eine extrem seltene Nebenwirkung, die diese vorsorgliche Änderung der Altersempfehlung zwar rechtfertigt, nicht aber ein vollständiges Aussetzen der Impfungen. Gerade neurologische Spätfolgen sind nach einer Erkrankung mit Covid-19 sehr häufig und können nur primärpräventiv durch eine Impfung verhindert werden. Ein vollständiger Impfstopp der AstraZeneca-Impfungen würde dazu führen, dass bei bereits wieder deutlich ansteigenden Infektionszahlen noch sehr viel mehr Menschen an Covid-19 erkranken oder sogar daran sterben werden. Hier wird man weitere Untersuchungen und Ergebnisse abwarten müssen.